letzter Tag im Atelier

17. Februar 2010

Das Herz wird eng, kleine ungesehene Tränen fliessen schon. Muss ich mich jetzt schon verabschieden? Wann wird das nächste Mal sein? 120 Stück von den Schreibetuis/trousses müssen mit auf den Flug. Dazu 32 wunderschöne Taschen. Ob  die Stoffe zu Hause gefallen? All das was ich auf heute “vorbereitet” hatte, lief genau nicht so, angefangen mit besagter Panne. Dann wollte Tina auch dringend eine Reunion machen und sie musste noch ein paar dringend wichtig Sachen auswärts erledigen. Tina war also lange nicht da. Wir assen nicht wie geplant im kleinen Restaurant des Voisins unweit des Centre, ich konnte meine Vorliegen nicht wie gedacht vorbringen, meine Ordnung und meine vorbereiteten Dinge auf dem Zuschneidetisch waren in einer anderen Ecke aufgestapelt zu finden( da wir ja zu spät ankamem) und… ach was soll ich euch alles erzählen. Je länger je mehr begreife ich, dass es wenig Sinn macht, allzuviel zu überlegen und zu organisieren, es warten hier so viele Überraschungen auf einen. Monsieur Keita, ein Rasta aus der Umgebung, kommt extra nochmals vorbei, um mich zu grüssen und mir zu sagen, dass ich bei ihm vorbeikommen soll, ich dürfe in der Schweiz den Rasta-Man nicht vergessen. Er will mir noch ein Geschenk geben. Der Voisin, der Marionetten-Spieler und Maskenverkäufer erkundigt sich, ob ich mich hätte entschliessen können, die uralte Kopfskulpultur aus Holz zu kaufen. ” Nein” vermittle ich ihm, ich hätte nur noch 50000CFA, und nicht 100000, die er anfänglich verlangte. Am Sonntag war er allerdings bereit, auch mit 75000 auskommen zu wollen. Und siehe da, er sagt ja, ich dürfe den vieux homme Africaine für 50000 haben. Das ist die Summe eines Durchschnittseinkommens pro Monat, entspricht etwa 115.-sFr. Also hole ich dann irgendwann mal den den sorgsam eingewickelten Mann mit Händen ab.

Dies geht nicht, ohne dass ich mich bei seinen Gästen nochmals hinsetze und mit ihnen ein paar nette Worte austausche und ohne den obligaten stark gesüssten grünen Tee, der üblicherweise in einem winzig kleinen Weissweinglas/Schnapsglas serviert wird. Zurückgekehrt, eine Distanz von 20 Metern zurückgelegt, werde ich sofort in die letzte “Versammlung” einverleibt, dies kann ich nur mitverfolgen, in dem ich noch irgendwelche Handarbeiten für Kinderkleider mit ins Büro nehme. Im Hintergrund läuft die Emission “mod’Elle” ab CD. Die Ausstrahlung und “Bekanntmachung” des Centre MaliSuisse hat endlich nach einem halben Jahr stattgefunden. Ich behaupte nun: Dank mir. Ich habe lange, ganz lange Vorarbeit geleistet und Mimi immer wieder angefragt, wie weit der Schnitt des Films sei.  Tina versucht mit einem wiederholtem  Anlauf die neuen Regeln, die eigentlich seit 1. Februar gelten, nochmals in Bambara durchzunehmen. Hat es doch einen Sinn gemacht, dass ich all diese Sachen so mal pro Forma auf einem Dokument verewigte, mit tausend Fehlern gespickt, dient nun dieses Papier dazu, nochmals klar zu machen, wie von morgen an, ohne Susanne, die Ordnung funktionieren soll. Um dies noch klarer zu konstantieren, ergänze ich mein Vorhaben, dass ich Fotos von der Ordnung machen würde, zur Erinnerung, was gemeint  und verlangt sei. Ich hoffe, dass Tina meine Tipps mit “Ausstellungsobjekten” befolgen wird. Denn wenn ein Kunde das schön aufgeräumte Atelier betreten kann, ist die Kaufeslust dann doch vielleicht erhöht, wenn nicht alles in den Plastik-Boxen steckt. Frau möchte doch gerne mit den Augen sehen und betasten und Innenleben sehen, bevor sie sich entscheidet, welches Modell sicher nicht in Frage kommen würde. Egal ob Tasche, Hemd, Hose oder Kinderkleid. An der Diplomfeier habe ich mal so eine Ausstellung veranlasst… man sieht auf einen Blick, was an Produkten vorhanden ist. Die drei Frauen müssen dann in Kauf nehmen, dass die Modelle öfters als angenehm, entstaubt werden und vielleicht alle 6 Monate einmal gewaschen werden müssen. Es braucht also auch Verkaufs-Technik über das Ordnungswesen hinaus. Die hübschen Boxen nützen einem Kunden nicht sehr viel, da er ja nicht weiss, was alles in ihnen steckt. Tina habe ich etwa drei Wochen lang bearbeitet, dies doch zu tun, die Vorrichtung dafür ist in zwei Räumen gegeben.  Sie beharrte immer darauf, dass sie sehr gut wisse, was in welcher Box verstaut sei. Ja, sie weiss es, aber nicht der potenzielle Käufer, der sich gerne umschauen möchte.

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