Archiv für den 14. August 2008

Schriftsteller werden

Donnerstag, 14. August 2008

Nun hast du meinen Blog vielleicht ganz oder teilweise mitgelesen. Das Schreiben war für mich sehr wichtig. Das spüre ich jetzt vor allem. Das Kleinkarierte hier und all das Mögliche und Unmögliche auf hochweissem Glanzpapier,  das muss wieder neu verstanden werden. Meine Texte, die sind reell, die sind mein. Einfach mein. Buchstaben in einer gewissen Ordnung hintereinandergereiht mit geplanten Abständen, damit sie als einzelne Worte oder Sätze verstanden werden können. Vielleicht auch mal kleinkariert, sicher auch blumig mit vielen Müsterchen. Sie und ich existieren.

Manchmal kam ich mir wie in Trance vor und ich wusste nicht mehr bin ichs oder bin ichs nicht. Ich funktionierte einfach. Manchmal war es wie ein Käfig, aus dem ich abhauen wollte. Ich konnte aber nichts begründen. Alle Ampeln waren auf grün gestellt, ich musste das Rad nicht neu erfinden. Alles was die Menschen wollten, hatte ich bereits in mir. Ich musste es nur noch auspacken. Gelernt ist gelernt. Oft stand ich um 6.00h auf und ich nahm mir Zeit für “Eingebung”. Und sie kamen, die Eingebungen, ich liess mich einfach darauf ein, welche Wahl hätte ich sonst noch gehabt? Alles ist in mir und ich wurde offensichtlich ausgesucht diese Aufgabe in Bamako zu übernehmen. Schliesslich habe ich Swisscontact wahrheitsgetreu mein Profil vermittelt. Der Einsatz kam so knapp und so kurzfristig und so ungeheuer viele Dinge wurden mir in die Hände gespielt, ich kann einfach nur Danke sagen. Es war eine Riesenherausforderung. Zum Glück wusste ich zu Hause nichts davon, ich hätte mir diese Arbeit niemals zugetraut, hätte ich gelesen, dass 15 Schneider auf mich warten! In der Ausschreibung war von fünf Mitarbeitern die Rede. Wahrscheinlich habe ich nicht alle französischen Buchstaben verstanden.

Wenn ich mich dann so richtig alleinfühlte, kein Kopierer und keine Bücher und keine Anschauungsmaterialien in der Nähe waren, so halfen mir die Erfahrungen mit “Open Space”. Die vier Prinzipien der Open Space-Arbeit begleiteten mich sehr oft und wirkten als innerer Anker, die will ich euch hier weitergeben:

  • Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute – einer oder 25 ist egal, und jeder ist wichtig und motiviert.
  • Was auch immer geschieht, es ist okay – Ungeplantes und Unerwartetes ist oft kreativ und nützlich.
  • Es beginnt, wenn die Zeit reif ist – wichtig ist die Energie (nicht die Pünktlichkeit)
  • Vorbei ist vorbei – Nicht vorbei ist Nicht-vorbei – wenn die Energie zu Ende ist, ist die Zeit um.

Und alles stimmte einfach, jeden Tag. Monsieur Jeconnaîttout zeigte mir Madame Jeconnaîttout.

Ich stelle mir vor, vermehrt über fremde Länder zu schreiben – ohne Schneiderei nebenher. Ich fühlte mich sicher sehr wohlig und versöhnt damit. Mir hat das Schreiben vor allemfür die innere Reflexion geholfen und ich vermute es wird nur aufbauend sein, wenn ich meine Texte in „schlechten“Zeiten oder im “Tal der Tränen” wieder läse. Allein Lesen könnte wie ein Medikament wirken. Erinnere mich daran.

Nächste Woche geht es seit Langem wieder los mit meiner Schule. Heute fühle ich mich stark genug dazu. Bin gesund nach Hause gekommen und nun will ich für mich weiterhin gut sorgen. Das Erlebnis “Der afrikanische Spiegel” ist immer noch auf Sendung. Und die Ausstrahlung dieser Sendung, wer hat die in ihrer Macht? Drei Buchstaben.

Merci Afrique. Merci Mali. Merci Bamako. Merci Sousou, Maman, Suzette et Susanne.

Ich bin.

Das Tsch Tsch Tsch und Sch Sch Schschsch geht weiter, irgendwo in einem Land, in einem Dorf in einem Hof…