Die Kakerlake in Ellis Menü
Montag, 11. August 2008Wieder mal fand ich, müssten wir auswärts essen gehen. Dass Essen am Hof ist zwar in Ordnung, doch für mich als freiwillige Vegetarierin eher karg. Von Gemüse wird nicht allzuviel gehalten. Und da Sophie noch nie im Ausgang war, konnten wir dieser Idee nichts entgegensetzen. Wir warteten also bis 20.00. Alpha würde uns abholen. Endlich kam er und leider, genau zu dieser Zeit war Sophie eingeschlafen. Madame Oury erfuhr dadurch erst nach unserer Rückkehr um 23.30 vom Fehlen Sophies. Sie war ernsthaft besorgt und schimpfte fast, dass hier im Hof jemand ohne Abendessen schlafen gegangen ist. Nun aber zu unserem Ausflug.
Alpha hatte sich ein openair-Restaurant ohne Weisshäute ausgewählt. Wir setzten uns an die eher sehr schlichten Plastiktische. Der Service-Boy hatte so keine Ahnung von der Menükarte, ich glaube er hat gestern noch als Pneuverkäufer gearbeitet. Er musste viermal telefonieren, um unsere banalen Fragen beantworten zu können. Die Menükarte war vermutlich schon fünf Jahre alt, so abgegriffen, dass man die Buchstaben fast erfinden musste. Mit einem tiefen Seufzer klappte dann die Bestellung und alle schienen zufrieden. Erst jetzt nahmen wir die ohrenbetäubenden Geräusche von der Strasse her wahr. Es war kein Lastwagen sondern ein Stromerzeuger und wir mussten uns entscheiden, ob wir weiterhin mit diesem Lärm essen wollten und uns anschweigen wollten oder ob wir nicht doch lieber drinnen essen wollten. Entscheid: drin. Und drin, da war alles ganz anders. Lounge-artig die Aussstaffierung mit rotem Samt, tiefe Salontische und viele Leute, die an ihren Cocktails nippten oder etwas Kleines assen. Als wir uns setzen musste ich mir versprechen, dieses Interieur auf keinen Fall bei Tageslicht zu betrachten. Die dunklen Kreise in Polstern und Boden deuteten auf ziemlichen Zigarettenverschleiss hin. Ziemlich bald kam unser Essen und das war eine Riesenüberraschung. Ich hatte ohne wirklich es zu wissen Fischspiesse bestellt. Capitaine. Ich wusste damals noch nicht um den Namen dieses Fisches. Leute, ich sag es euch: Das war oberste Klasse, total feine Pommes dazu. Alpha hatte dasselbe wie ich bestellt jedoch mit Erbsen. Wir machten mit unseren Beilagen Halbehalbe. Elli hatte ein toll aussehendes Huhn im Teller, ebenfalls mit Pommes. Irgendwann schubste sie mich ganz leise und deutete diskret und ohne die Lippen zu bewegen auf ein kleines Tier im Teller. Solche kenne ich von zu Hause, oft krabbeln sie aus unseren Holzstapeln heraus. So rotbraune flache, wohl sechsbeinige Viecher. Um nicht viel Aufsehen zu erregen und uns selbst in unserer Aufregung in Zaum zu halten, schubste Elli den ungeliebten Besucher mit der Gabel weg. Doch leider sprang das Tier dadurch in Ellis Tasche.- Nun verlor sie dann doch die Fassung und Alpha konnte nun deutlich wahrnehmen, dass irgendwas nicht stimmte. Wie ein Bodygard kümmerte er sich um Ellis Tasche. Aber das Tier wurde bis heute nicht mehr gefunden.
In diesem speziellen Ambiance erlebten wir zugleich, wie sich eine Live-Musik-Gruppe aufstellte. Das ging gar nicht allzu lang bis der Leader mit seinem Gesang begann. Und er hatte eine Stimme, wirklich eine tolle Stimme und die Leute horchten entzückt. So wie das begriffen habe, zusammen mit Alphas Erläuterungen, so ist wohl das Lied oder Titel bekannt, doch der Inhalt kann je nach heutigem Gefühlszustand variieren. Das bemerkte ich, weil eine junge Frau beim Hinausgehen dem Sänger ein Nötchen in die Hand drückte und gleich darauf wechselte sein Gebaren, seine Mimik und die Frequenz seiner Stimme.









