Heute hatte ich erstmals öffentlich in der Klasse eine Auseinandersetzung. Ein Teilnehmer kritisierte unterschwellig seine Klassenkameraden, wie man sich als Lehrer, als Formateur vor den Schülern zu verhalten habe. Ich hatte ihn zu einer kleinen Präsentation à 5-10 Minuten verknurrt, weil er zu spät kam. Seine Präsentation dauerte nun 45 Minuten und traf nicht wirklich den Inhalt, den ich aufgetragen hatte. Trotzdem, seine Präsentation über fibres semi-synthétiques war super, no comment. Weisst du, von wem ich spreche?
Von Monsieur Jeconnaîttout.
Ich liess mir ja seine Krakeleien noch eine Zeit lang gefallen. Der Gipfel war allerdings, als er bei einer anderen Aufgabe einen Mitschüler in die Zange nahm und wieder unterm Teppich vorwarf, dass er die Aufgabe von Madame Susanne nicht befolgt hätte. Da platzte mir so ziemlich der Kragen und ich sagte ihm klar meine Meinung. Unter anderem: „Warum sind Sie hier? Sicher nicht um Pädagogisches oder Methodisches oder Didaktisches zu lernen. Denn das haben Sie eben auf die Tafel geschrieben, wie man das zu tun habe. Wir haben hier in dieser neuen Aufgabe sieben verschieden Resultate erzielt und das kann die Klasse nur bereichern und ist von A-Z in Ordnung. Ich will jetzt keine Diskussion, was man alles hätte tun können, sondern lediglich eine Präsentation von dem, was in der Gruppe erreicht wurde. Ich schätze Ihre Präsentationen sehr und ich finde es genial, dass Sie mit ihrer Sprache den Teilnehmern so vieles erklären können. Wir beide wären ein super Team. Ich würde gerne mit ihnen vorbereiten. Sie würden den Lehrer spielen und ich würde die Feinarbeit mit der Hand übernehmen. Bitte hören Sie nun auf, unter dem Tisch mitteilen zu wollen, was die Teilnehmer und ich hier alles nicht können oder wissen. Sie müssen sonst die Formation wechseln.
In der Mittagszeit kam er zu mir und entschuldigte sich.
Ich hab ja gelernt, dass ich mich genau an den Leuten reibe, die mich spiegeln. Also sage ich jetzt danke zu diesen Begegnungen mit mir. Das Spiegelgesetz lässt grüssen. Offenbar c’est moi aussi: je connaît tout. Madame Jeconnaîttout.
Heute brachte ein Teilnehmer eine Originalkleidung aus Dogan. Schwerer handgewebter Stoff aus lauter Streifen zusammengesetzt, in Indigo gefärbt. Es ist das Kleid eines Weisen. Der Teilnehmer hat es von seinem Onkel. Es hat mich tief berührt, dass er das mitgenommen hat. Zeigt es doch, dass er glaubt, ich sei sicher daran interessiert. Und tatsächlich wir haben das gute Stück ausnehmend studiert. Alle Knöpfe die da zu finden sind, und das sind vielleicht hundert oder mehr, die sind gestrickt. Aber so fein gestrickt, dass es natürlich nur ich erkennen kann. Je connaît tout. Zur allgemeinen Freude liess es sich Elli nicht nehmen, dass Gewand des Weisen anzuziehen.
Marie hat sich eine Halskette aus Satinbändern gemacht. Sie ist völlig angetan davon. Die Bänder sind hier echt wahnsinnig billig, aber auch von anderer Qualität. Jedenfalls wurde sie rundum bewundert und nun ist das Fieber ausgebrochen.