Archiv für den 8. August 2008

Die imitierte Katze

Freitag, 8. August 2008

Seit bald vier Jahren habe ich ein Zusammenleben mit Katzen erleben dürfen. Die Katzen hier sagen auch miau und schnurren genau gleich und sie haben auch so das typisch weiche Fell mit Haaren. Ich bin mich seither gewohnt plötzliche Fellkontakte am Unterschenkels oder an den Knöcheln wahrzunehmen und nicht mehr zu erschrecken. Deshalb erschrak ich auch dieses Mal nicht, als ich mit Alpha und Elli im Restaurant Savana war. Das war vor einer Woche etwa. Doch was mich dann doch aus der Fassung brachte war die Tatsache, eine schnell davonhuschende Ratte mit nacktem Schwanz zu erkennen.

Ja, so ist es hier, dass sind die Katzen von Bamako. Sie sind öfters anzutreffen.

Pssssst… niemand darf das wissen

Freitag, 8. August 2008

Gerade kam eine der Domestiquen zu mir in die Wohnung, fast in Panik und: in Tränen aufgelöst. In ihren Händen ein zerbrochener Teller. Es ging einige Zeit, bis ich begriff, was sie bewegte zu mir zu kommen. Sie ahnte wohl, dass ich das Unglück dieses Tellers übernehmen als mein Schicksal übernehmen könnte. Mit dem Zeigefinger auf den Lippen versuchte sie mir klar zu machen, dass ich nichts sagen sollte. Ich nahm das Zeichen auf. Aus ihren Augen quoll einfach bare Angst. Das tat mir so schrecklich leid. Ob sie deswegen einen Monat lang keinen Lohn bekommt? Schon einmal hatten wir beide den Zeigefinger auf unseren Lippen. Doch das war eine ganz andere, freudige Situation.

Ich weiss jetzt gar nicht mehr, ob ich dies schon mal schrieb. Mimi hatte mir drei ganz feiste Patisserien überreicht, so richtig zum Zunehmen.  Ich glaub das war am zweiten Wochenende schon. Ein Eclaire ass ich in drei Rationen, die anderen zwei Stücke waren einfach zu viel. Deshalb gab ich Alpha die Möglichkeit davon zu naschen. Auch er ass nur die Hälfte von einer Schoggi-Rahm-Schnitte. Nun trug es sich zu, dass ich am Montagmorgen schon um sechs den Wecker gestellt hatte und ausser mir und den Domestiquen niemand wach war. Ich winkte die beiden Mädchen heimlich in mein Zimmer und gab ihnen die prachtvollen Reststücke und ich zeigte ebenfalls eben mit erwähntem Finger ein: Pssssst. Mit glücklichen Augen schnabulierten sie in einer eher uneinsichtbaren Ecke die Süssigkeiten.

Der zerbrochene Teller liegt nun bei mir in der Wohnung. Zum richtigen Zeitpunkt werde ich zugeben, dass ich den Teller habe fallen lassen.

Flug Zürich Bamako – wer fliegt?

Freitag, 8. August 2008

Schon wieder ging die Diskussion um die Lehrmittel los. Kopien sind hier fast teurer als in der Schweiz. Sie haben sich zusammengetan und einen Brief an Monsieur Ibraim Maiga von swisscontact geschrieben. Besser gesagt mal entworfen. Sie wollen eine finanzielle Unterstützung für Kopien oder die Möglichkeit, die Bücher zu kommen. Deshalb frage ich nun die Welt, die hier meinen Blog lesen kann:

Wer fliegt im August von Zürich nach Bamako

und kann 26 Bücher mitnehmen? Abholdienst am Flughafen kann garantiert werden, sofern es nicht wie verrückt regnet.

Lehrmittel: le manuel des textiles et manuel de coupe pour la couture

Schon wieder ging die Diskussion um die Lehrmittel los. Kopien sind hier fast teurer als

Bald wurde mir klar, dass wir einen Hoffotografen hatten und ich musste sicher 15 Mal auf irgendein Foto mit irgendwelchen Teilnehmern. Irgendwie scheint es wichtig zu sein beweisen zu können, dass man von einem Bleichgesicht für vier Wochen ausgebildet wurde. Irgendwie hat das sehr viel zu bedeuten.

Noch drei Tage in der Schule. Morgen will Elli, sofern es ihr Darm erlaubt die Lektion bestreiten und ich trete mal ins zweite Glied. Ebenfalls morgen Abend (Mittwoch) sollte Sophie ankommen. Meine Stunden hier sind so langsam aber sicher gezählt und es gut, wenn ich weitergeben kann. Ein Monat, so schnell ging noch nie in meinem Leben ein Monat vorbei. Madame Oury geht es wieder ein bisschen besser. Sie hat nun lange mit einem plagenden Zahn gelitten. Ich glaube die Chemomedikamente haben ihr Zahnfleisch und Zähne angegriffen. Ein Zahn liess sie sich ziehen. Jedenfalls hat sie heute schon dreimal nach Ouryfitini gerufen und das bedeutet einiges. Schaut sie euch an, die Königin von Saba.

Ein Schüler entschuldigt sich bei mir

Freitag, 8. August 2008

Heute hatte ich erstmals öffentlich in der Klasse eine Auseinandersetzung. Ein Teilnehmer kritisierte unterschwellig seine Klassenkameraden, wie man sich als Lehrer, als Formateur vor den Schülern zu verhalten habe. Ich hatte ihn zu einer kleinen Präsentation à 5-10 Minuten verknurrt, weil er zu spät kam. Seine Präsentation dauerte nun 45 Minuten und traf nicht wirklich den Inhalt, den ich aufgetragen hatte. Trotzdem, seine Präsentation über fibres semi-synthétiques war super, no comment. Weisst du, von wem ich spreche?

Von Monsieur Jeconnaîttout.

Ich liess mir ja seine Krakeleien noch eine Zeit lang gefallen. Der Gipfel war allerdings, als er bei einer anderen Aufgabe einen Mitschüler in die Zange nahm und wieder unterm Teppich vorwarf, dass er die Aufgabe von Madame Susanne nicht befolgt hätte. Da platzte mir so ziemlich der Kragen und ich sagte ihm klar meine Meinung. Unter anderem: „Warum sind Sie hier? Sicher nicht um Pädagogisches oder Methodisches oder Didaktisches zu lernen. Denn das haben Sie eben auf die Tafel geschrieben, wie man das zu tun habe. Wir haben hier in dieser neuen Aufgabe sieben verschieden Resultate erzielt und das kann die Klasse nur bereichern und ist von A-Z in Ordnung. Ich will jetzt keine Diskussion, was man alles hätte tun können, sondern lediglich eine Präsentation von dem, was in der Gruppe erreicht wurde. Ich schätze Ihre Präsentationen sehr und ich finde es genial, dass Sie mit ihrer Sprache den Teilnehmern so vieles erklären können. Wir beide wären ein super Team. Ich würde gerne mit ihnen vorbereiten. Sie würden den Lehrer spielen und ich würde die Feinarbeit mit der Hand übernehmen. Bitte hören Sie nun auf, unter dem Tisch mitteilen zu wollen, was die Teilnehmer und ich hier alles nicht können oder wissen. Sie müssen sonst die Formation wechseln.

In der Mittagszeit kam er zu mir und entschuldigte sich.

Ich hab ja gelernt, dass ich mich genau an den Leuten reibe, die mich spiegeln. Also sage ich jetzt danke zu diesen Begegnungen mit mir. Das Spiegelgesetz lässt grüssen. Offenbar c’est moi aussi: je connaît tout. Madame Jeconnaîttout.

Heute brachte ein Teilnehmer eine Originalkleidung aus Dogan. Schwerer handgewebter Stoff aus lauter Streifen zusammengesetzt, in Indigo gefärbt. Es ist das Kleid eines Weisen. Der Teilnehmer hat es von seinem Onkel. Es hat mich tief berührt, dass er das mitgenommen hat. Zeigt es doch, dass er glaubt, ich sei sicher daran interessiert. Und tatsächlich wir haben das gute Stück ausnehmend studiert. Alle Knöpfe die da zu finden sind, und das sind vielleicht hundert oder mehr, die sind gestrickt. Aber so fein gestrickt, dass es natürlich nur ich erkennen kann. Je connaît tout. Zur allgemeinen Freude liess es sich Elli nicht nehmen, dass Gewand des Weisen anzuziehen.

Marie hat sich eine Halskette aus Satinbändern gemacht. Sie ist völlig angetan davon. Die Bänder sind hier echt wahnsinnig billig, aber auch von anderer Qualität. Jedenfalls wurde sie rundum bewundert und nun ist das Fieber ausgebrochen.