Archiv für den 4. August 2008

Mittagessen bei Mimi

Montag, 4. August 2008

Der Sonntag war für einen Besuch bei Mimi gedacht. Sie wohnt ausserhalb der Stadt und wie immer ist Alpha unser treuer Begleiter. Da Mimi das Auto irgendeiner Nachbarin mit krankem Kind ausgeliehen hat, müssen wir mit dem Taxi fahren. Wir haben noch nie länger als drei Minuten auf ein Taxi gewartet und ich habe noch nie so vielfältig schäbige Inneneinrichtungen gesehen. Man kann froh sein, wenn man ohne Flecken und Wunden das Taxi wieder verlassen kann. Wir haben bestimmt schon sechs Taxifahrten hinter uns. Nach 20 Minuten kamen wir bei Mimi an und wir staunten schon, sie wohnt recht europäisch. Vermutlich hilft das Einkommen von ihrem Mann Olivier beträchtlich, dass sie sich so ein gutes Haus leisten kann. Bis auf die Küche würde ich also auf jeden Fall ja dazusagen. Monatliche Kosten: 12o. Euro. Fünf Zimmer, davon die Stube riesig, etwa 50m2, eine Haushilfe und einen Gardien. Wir haben herrlich gegessen. Zum Apéro gab es sogar Martini. Das Mousse au chocolat war allerdings ein Schock, stell dir zusammengepresstes Mousse vor aus 90% schwarzer Schokolade. Das kann man ohne Wasser dazu nicht essen.

Das “JA” eines Maliers

Montag, 4. August 2008

Wie ein Malier „JA“ sagen kann, ohne Worte und ohne Kopfbewegung? Ich weiss es, wann er oder sie ja gesagt hat. Das kann ich hören, aber es wird nix gesagt, es wird geschnalzt. Und zwar ganz innen in der Mundhöhle. Und natürlich mit geschlossenem Mund. Also Zunge anheben in den Gaumen presen, Vakum bilden und schnalzen lassen. Mach das ein paar Mal hintereinander, wie gesagt mit geschlossenem Mund und du weisst, wie man JA auf malisch sagen kann. Anfangs habe ich immer gemeint, die hätten einen Tick oder einen Kaugummi oder sonst was zum Ausspucken, wie in Indien. Also ich freue mich, falls du jetzt versuchst JA zu sagen. Allgemein freuen sich die Malier extrem, wenn ein paar Worte verstanden werden. Vor allem die Tagesgrüsse. Somit hat man schon ganze Diskussionen in einen guten Gang gebracht.

Webstühle

Montag, 4. August 2008

Auf dem Markt konnten wir in einem grösseren Raum uralte Webstühle beaugapfeln. Ganz schön spannend, was mit einem Minimum heute noch geschaffen wird. Der Aufseher dort hob seinen Hintern nicht für eine Sekunde. Ich glaube er hatte keine Ahnung, was alles in diesem Raum stand. Ob er von Deutschland seinen Lohn bekommt?

Gesponnen

Montag, 4. August 2008

Eine der Teilnehmerinnen, Marie, die mit dem herrlichen Lachen und der erotischen Stimme und sie ist im sechsten Monat schwanger, wollte dringend dass ich ihr folge. Sie hätte was bei einem Nachbarn gesehen. Im Innenhof angekommen, keine 20 Meter von der Schule entfernt, sass eine Frau, die spann von Hand ganz kurzfasrige Baumwolle. Wie flink sie das machte, mit dieser Baumvolle der dritten Qualität, unglaublich. Diese Faden werden für die Bogolans gebraucht. Ganz weicher Faden für den Schuss. Es werden Bänder in 20 cm Breite auf Handwebstühlen gewoben. Wir fragten, ob die ganze Klasse kommen könnte und die freuten sich darüber. Monsieur Jeconnaîttout blieb im Zimmer, das hatte er alles schon mal gesehen. Die Klasse hatte ihren Riesenspass, von mir zu erwarten, dass auch ich spinnen und karden sollte und natürlich tat ich das gerne. Alle freuten sich köstlich. Das war eine tolle Unterbrechung der Lektionen. Wir sind immer noch an Materialkunde und das passte wunderbar.

nochmals: Frisuren

Montag, 4. August 2008

Gleich neben einer der hundert Färbereien ist Haarflechterei. 2 Angestellte, so sehe ich das mindestens, sitzen draussen an der Mauer angelehnt, zwischen ihren Knien eine Kundin am Boden sitzend. Und dann wird 3-4 Stunden lang abgeteilt und geflochten und geflochten. Nur eine Kundin und Angestellte erlaubte mir das Fotografieren. Der Elli wurde klar gemacht, dass auch sie sich eine solche Frisur lassen machen könnte, natürlich ohne künstliche Haare, die mit Faden und Nadel eingenäht würden. Mindestens waren wir mal im Gespräch und ich glaube, es ist ganz gut, nimmt man sich viel Zeit auf „meiner Strasse“.

Unikate

Montag, 4. August 2008

Jeden Tag an meiner Strasse wird immer wieder erneut gefärbt, jeden Tag neue Muster. Alphas Tante ist spezialisiert auf Färben und vorher die Muster mit Nadel und Faden einzunähen. Es werden meist sechs Meter gefärbt, damit ein Boubou genäht werden kann. Also Hosen und ein fast bodenlanges Überkleid mit langen seitlichen Schlitzen. Da es sich um tägliche Stückfärbung handelt, ist klar, dass es sich immer um Unikate handelt. Fast hat man das Gefühl, hier werde um die Wette gefärbt und nach immer wieder neuen Mustern gesucht. Es gibt ein spezielles Tuch, welches während der Schwangerschaft genäht wird. Das grüne Tuch bei den Bildern. Das braucht extrem viel Näherei, man glaubt es kaum. Und dann werden die eingenähten Fäden zusammengezogen und weil die Farbe nicht bis zum Innersten eindringen kann, entstehen automatisch Musterungen. Bei mehrfarbigen Stoffen muss natürlich mit der hellsten Farbe begonnen werden. Wenn das erste Farbbad getrocknet ist, wird erneut eingenäht. Das Ganze kann man auch mit Abbinden erledigen. Wichtig für mich als staunende Zuschauerin: Auf jeden Fall vorher Kontakt machen, und dann irgendwann fragen, ob ein Foto gemacht werden darf. Meist möchten die Leute nicht fotografiert werden oder eben, sie verlangen Geld dafür. Es gibt auch solche, da bekommst du Angst, die schauen dich dann ganz böse an und erheben sogar die Faust gegen mich.

Bei Alphas Familie jedenfalls fürchtete sich nur das Kleinkind. Vielleicht meinte es, wir seien Geister, so weiss wie wir sind. Für jede Afrikareise empfehle ich genügend schweizer Bonbons in der Tasche zu haben. Damit freuen sich alle Kinder, alle Bettler (aus Beruf) und auch die wirklich Armen. Ich habe keine mehr. Nun werde ich noch afrikanische kaufen. Das ist natürlich nicht dasselbe, aber es hilft unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen oder bettelnde Augen vom Leib zu halten.

Noch fünf Mal schlafen

Montag, 4. August 2008

Die letzte Woche hat ihren Lauf für mich begonnen. Noch 4 Tage in der Schule. Am Wochenende haben wir unsere Zeit zwei Mal auf dem Markt verbracht, vor lauter Schock vergassen wir Fotos von den Affenköpfen zu machen, die da fein säuberlich aufgereiht waren. Wie überall sind wir selbstverständlich die ersten Kundinnen, so säuselt man uns die Ohren voll. Es gäbe tausend Sachen, die ich kaufen möchte. Auch wenns niemand glaubt, auch ich achte meine Geldressourcen. Alle meine Wünsche können nicht beachtet werden.

Witzig war vor allem noch die Geschichte mit dem Ananassaft. Am Samstagabend gingen ich und Elli mit Alpha in den Ausgang. In einem sehr belebten Quartier mit lauter Musik setzten wir uns hernieder um die folgenden 45 Minuten in Schweigen zu verbringen. Eine Kommunikation ist in so lauter Umgebung kaum möglich. Jedenfalls bekamen wir nach 15 Minuten unseren bestellen jus d’ananas en boite. Wir staunten so ziemlich. Wir bekamen je eine Konservenbüchse vor die Nase gestellt. Um nicht aufzufallen, wir fallen ja so schon auf, taten wir so, wie wenn wir afrikanisch wären und warteten auf die Dinge, die da kommen sollten. Irgendwie musste ja die Büchse geöffnet werden. Tatsächlich kam so ein Muskeltyp in enganliegendem Top mit einer 50cm langen Machete, oder ein Messer mit breiter Spitze. Das Messer senkrecht haltend mit zwei drei kleinen Kraftakten… und die beiden nötigen Schlitze waren gemacht. Ohne Frauengekicher ging das natürlich nicht von statten. Dann fragten wir uns, ob wir jetzt trinken könnten. Zum Glück kam schon nach fünf Minuten nochmals die erste Bedienung und die Gläser gefüllt mit Eis bis zum Rand waren da. Ich bestellte ein Glas ohne Eis, denn wie ihr ja sicher wisst, Eis kann einem Europäer sagenhafte Veränderungen im Magen- und Darmtrakt verursachen. Elli liess ihr Eis drin. Nach weiteren 10 Minuten stand Alpha auf und erreichte, dass auch ich ein Glas bekam. Nun endlich konnten wir uns zuprosten. In der Büchse war also nur Saft, keine Fruchtstücke. Um es klar zu sagen: Es waren 580ml. Erst als Elli ihren Saft schon im Glas hatte, sprach ich sie darauf an, ob sie denn keine Angst hätte, wegen Bakterien und so. Da die auch Gefrierschränke mit Strom versorgt werden, man weiss ja nie, wieviele male die Eiswürfel schon abgetaut waren. Elli hatte nicht mehr daran gedacht, schnell fischte sie die riesigen Eisklumpen wieder heraus.

Bald gingen wir dann wieder. Ich habe bemerkt, dass ich wohl massgebend bin, wann wir einen Platz verlassen sollten oder nicht. Alter geht hier offenbar vor. Ein paar Bilder vom Markt zeigen die Farbenpracht der Stoffe und das Getümmel der Menschen. Ganz witzig für mich:

Hier gibt es tolle Stoffe aus der Schweiz. Gut gibt es auch Etiketten, so weiss man doch, was man in Afrika hat. Der Meter Stoff kostete vier Franken. Ein Baumwoll-Pekiné, sehr leichte Ausführung. Eben fast ein Voile.

Ach und schaut euch das Hotel lac…. an, eines der ältesten Hotel. Da wohnen glaub ich nur noch die Ratten und Schaben drin.