Archiv für den 2. August 2008
Ellis letzte Zigarette…
Samstag, 2. August 2008… aus Deutschland, liegt noch in der Schachtel. Hier wundert man sich sehr, dass Frauen rauchen… sie musste mir versprechen, dass sie niemals auf der Strasse rauchen würde, denn sonst würde sie wohl zu viel Männerbesuch bekommen. Nach dem Mittagessen zu Hause haben wir noch unsere gemeinsame Lektion nächste Woche besprochen und nun weiss ich, dass ich gut vorgearbeitet habe und sie problemlos weitermachen kann. Sie hat wunderbare fertige Beispiele mitgebracht und das wird die Teilnehmer sicher in grosses Erstaunen versetzen. In Sachen Verarbeitung haben wir sehr ähnlich gelernt und das ist super.
Am Mittwoch soll das Fernsehen bei uns auftauchen… und gestern war ein Textilingenieur und Präsident der FAFP oder so ähnlich da. Der freute sich wie ein Kind an Weihnachten, als er unsere Bücher sah. Und dann erst die vielen Stoffmuster, die ich dabei hatte. Mimis Schule wird hoch gepunktet. Sie will nämlich vor allem im nächsten Monat, nach der Ausbildung der Ausbilder einen Kurs starten für solche, die noch keine Ahnung vom Nähen haben. Ihr ganzes Geld, was sie als Teilzeit-Moderatorin am Radio verdient, geht für dieses ehrgeizige idealistische Projekt drauf. Hut ab vor der Ausdauer von Mimi K. Daneben organisiert sie Modeschauen, betreut ihre Boutique und ihre Arbeiter. Sie hat unglaubliche Schaffenskraft.
Maria und Josef auf dem Markt
Samstag, 2. August 2008Wenn du nicht handelst auf dem Markt, bist du selbst schuld. Eigentlich geht es nur um Verhandeln. So Weisshäute sind ein gefundenes Fressen. In jedem dieser kleinen Kabäuschen wird was zum Verkauf angeboten. Und überall sind Elli und ich die ersten Käuferinnen heute und deshalb bekämen wir einen besonderen Preis. Und natürlich seien wir ja auch noch hübsch und wenn wir zwei Halsketten nehmen würden, das wäre auch gut. Das Handeln nimmt den grössten Raum ein. Mit ein paar wenigen Bambara Worten wie: fitini, was klein hiesst und dorote –mir geht es gut und aii was nein heisst, kommt man ganz gut durch. Ein Bonbon in der Handtasche aus der Schweiz hilft auch noch und dieses darf man nur mit der rechten Hand geben, sonst wird es nicht angenommen.
Dann waren da noch Maria und Josef, mit samt den drei Königen, Recycling-Arbeit. Das war so schräg, dass es schon wieder schön war. Und herrliche kleine Engel auch aus Blechdosen. Doch der Preis war unverschämt, ich konnte nicht viel handeln. So liess ich es. Vielleicht hätte ich für das Foto machen was bezahlen sollen? Das war meine Lektion heute. Ein paar kleine Sachen habe ich nun schon gekauft, doch nur für mich. Morgen Sonntag geht’s nochmals auf einen andern Markt. Anschliessend führte uns Alpha in ein gediegenes Hotel am Niger. Das Hotel Mandé in Bamakon. Die offene gut durchlüftete Terrasse tat uns gut. Ich bestellte einen Ingwerdrink der schön süss und auch scharf war. Die Kellner kamen fast gleichzeitig ihr Outfit schwarze Hose, weisser Blazer beeindruckte. Doch nur von weitem. Denn die waren von nahe betrachtet schon so abgefackt, das würden wir nicht mehr in die Altkleider geben. Mindestens zwei der Hotelgäste sassen dort mit Laptop auf dem Tisch, was erahnen ein entsprechen höheres Einkommen erahnen liess. Sogar eine Dame war mit dabei. Die ganze Anlage lag wunderbar friedlich, kein Gestank, kein Lärm, einfach wie Ferien. Sogar ein Schwimmbecken in der Nähe.
Zu Hause angekommen, überraschten wir Ousman.Er ist auch Teilnehmer und “darf” mit seiner elektrischen Maschine auch im Atelier arbeiten. Also Fotos vor dem Atelier. Er liess sich wie ganz viele andere Männer den Kopf kahl rasieren. Habe mehrfach gehört, dass ihnen die “langen” Haare Kopfschmerzen verursachen und überhaupt, wachsen die Haare nie in eine gewisse Länge. Das soll auch der Grund dafür sein, dass die Frauen lieber Kunsthaar tragen, dann haben sie Ruhe vor dem Frisör, brauchen kein Geld und es ist praktisch. lieber Leser, du kannst also davon ausgehen, dass man entweder nur ganz kurze Haare hat plus Kunsthaar, oder gar keine Haare. Männer habe ich noch nie mit Kunsthaar gesehen.
Schon wieder zu spät
Samstag, 2. August 2008
Um nochmals zu Monsieur Jeconnaîttout zurückzukehren: Gestern kam er 5 Minuten zu spät in die Schule. Gestern schon kamen erneut zwei zu spät. Denen gab ich 3 Seiten zum lesen in die Hand zum Thema „Knöpfe“ und „Filamente“. Sie durften sich mit „Vortrag präsentieren“ üben. Das machte nun offenbar endlos Eindruck. Denn am Freitag sassen alle wie Hühner auf den Stengeln bereit im Vorraum, um ja nicht zu spät zu sein. Nur Monsieur Jeconnaîttout hatte es nicht geschafft und er meinte :“wegen diesen paar Minuten“. Auch er bekam eine Aufgabe, was die Teilnehmer natürlich heimlich zu tiefst amüsierte, unsichtbare Schadenfreude verteilte sich im Raum.
Mein erstes Rendez-vous
Samstag, 2. August 2008Irgendwann habe ich es geschafft mit Alpha zum Essen abzumachen. Das war vor 3 Tagen. Per 21.00h. Genau um 20.55 begann der grosse Regen mit Donnerblitzen und Getöse und mit überschwemmder Wirkung. Genau um diese Zeit sass ich aber im Internet, dazu Schweiss gebadet, ich verstand die einfachsten Anweisungen meines Sohnes fürs deleten von Fotos nicht… Es ist wie wenn du in der Sauna sitzt, eigentlich schon seit 2 Minuten draussen sein solltest und dir dein Ego sagt: Komm halt doch noch 2 Minuten aus. Ihr kennt diese Minuten… Meine Synapsen widerstanden jeden jedwelchen elektromagnetischen Funktionen. Ich entschied mich für ein Abbruch des Blogs, immerhin war es ja kurz vor neun. Nun konnte ich aber nicht wirklich durch den Regen spazieren und die Blitze die waren so heftig, dass ich fast Schiss hatte. Endlich begriff ich, dass ich je nach dem noch eine Stunde warten müsste, oder 10 Minuten. Ich entschied mich für 10 Minuten. Wir sind ja in Afrika und es ist ja affffrikaklar, dass man bei so einem Regen nicht raus geht, auch wenn der beste Mann auf einen wartet. Nach 10 Minuten war es aber noch heftiger. So entschied ich mich mein Laptop irgendwie gut in die Tasche zu versorgen, damit mindestens dieses gute Stück nicht nass würde. Knöcheltief lief ich durch die fast leeren Strassen von Bamako. Dort wo noch Gestank, Getümmel und Geschnatter war, dort wo alle zehn Meter ein klitzekleiner Ofen mit glühenden Kohlen irgendwas Feines brutzelt… da war niemand mehr. Fast niemand. Im Dunkel der Nacht sind Afrikaner einfach kaum zu erkennen, da sie praktisch die selbe Farbe haben. Wenn sie lächeln, ja dann kann man mindestens die Höhe des Kopfes erahnen. So war ich denn innert Sekunden bis auf des letzte Stück an meinem Körper nass und ich versuchte mein Bestes, allen Löchern der Strasse auszuweichen. Die muss man schon erkennen können, sonst kann es echt gefährlich für die Knochen werden. Die Dusche zu Hause tat gut, und schnell zog ich mich um, wo Alpha wohl steckt? Hat er mich gesucht? Es wurde 22.00 Uhr da erschien er mit einem Lächeln und es wurde klar, dass er mich eben nicht gesucht hatte. Es ist doch affffrikaklar, dass Mann bei solchen Konditionen nicht unterwegs ist. So assen wir dann mein Essen, dass die Enkelinnen bereitgestellt hatten zu zweit. Und wir machten auf den nächsten Tag ab.
Ab nächsten Tag hatte aber Alpha dann doch keine Zeit, sagte er. Er habe noch zu tun. Seltsam war, dass er nach einer Viertelstunde wiederkam und mit Elli und mir einen Spaziergang zum Niger machte. Es war halb zwölf, als ich wieder in meinem Bett lag. Am Ufer des Nigers fühlte ich mich wie in den Ferien. All die Lichter, gemütliche Sitzbänke, 6 Meter breite „Gartenanlage“. Das war echt friedlich. Wir machten auf den nächsten Abend um 21.00 ab.
Am nächsten Abend begann: der grosse Regen. Es war 20.00. Nun war ich einfach gespannt, was wohl heute geschehen würde. Ich hatte mich entschieden nicht ins Internetcafé zu gehen, weil das bekannte plötzliche Anheben des Windes den Regen für die nächsten 10 Minuten ankündigte. Und tatsächlich, er prasselte hernieder, mit der üblichen Begleitung von Blitzen, die für Sekunden den Himmel über Bamako aufhellten. Alpha erschien zehn Minuten nach neun und er fragte sogleich, wo Elli sei. Somit war klar, dass wir zu dritt ausgehen würden…
Das ausgewählte Restaurant Savana in Bamako scheint sehr berühmt zu sein. Jedenfalls treffen sich dort offensichtlich alle Bleichgesichter der Stadt und die Bamakoer sind hier Rarität. Die Preise waren eben auch auf die Weisshäute abgestimmt. Ich habe Pizza gehabt, ganz fein, mit Käse, kein Mozzarella und die kostete 4000 CFA, das sind gut zehn Schweizer Franken. Jedenfalls musste ich mit Elli ausmachen, dass sie alles bezahlen soll, weil ich mit zu wenig fettem Geldbeutel unterwegs war. Wir haben das per deutscher Sprache am Tisch diskret ausgehandelt, denn ich hatte nun plötzlich zu wenig, um Alpha einladen zu können. Ich gab ihr mein Restgeld unterm Tisch durch, gaaaaarrrrrr nicht auffällig, und so bezahlte sie alles. Alpha war das gar nicht recht, denn er fand, wir seien seine Gäste und somit sollten wir uns als eingeladen betrachten. Als wir gingen kam eine Liveband, es war fast Mitternacht, die haben wir dann eben nicht mehr gehört.
Heute wollen wir auf den Markt. In sechs Minuten.
J’ai le „tout de suite“
Samstag, 2. August 2008
Irgendwas muss ich gegessen haben, keine Ahnung, denn ich achte mich trotz guter Küche, was mir Europäerin nicht gut tun könnte. So nage ich heute an meinem Durch-Fall. Gut ist Freitag, denn ich bin an einer meiner Limits. Ich musste also heute immer tout de suite aufs Klo. So kann ich den Durch-Fall wortwörtlich betrachtet erinnert es mich an durchfallen. Was fällt denn durch? Mein Drang nach Perfektion? Mein Streben nach: Ich bin hier die Beste im Land? Oder sogar: Retterin der Schneider? Was kann ich ihnen noch alles zeigen und in welchem Ablauf? Ich bin noch nicht durchgefallen, noch nicht wirklich. Jedenfalls will ich diese Zeichen des Körpers ernst nehmen. Elli, die eine Designerin die aus Berlin erwartet wurde kam nicht aus Berlin sondern aus München. Sie wohnt auch in München und Sophie, eine Freundin von ihr, die kommt nächste Woche, auch nicht aus Berlin sondern aus München. Die beiden sind wirklich vom Idealismus angepickt. Elli hat ihr Auto verkauft, damit sie sich den Flug hierher leisten konnte. Sie bleibt für 6 Wochen hier und hat Lohnausfall… wer heutzutage macht sowas? Also das bestaune ich sehr. Nur schon die Impfungen, die kosten ganz beträchtlich und Visa und all die anderen Sachen. Wir haben uns schon schön angefreundet, sie wahrlich das Gegenteil von mir. Fast halb so alt wie ich und ebenso die Hälfte von meinem Gewicht. Ihr Schwerpunkt ist Design und Prèt-à-porter Kleider nähen, mein Schwerpunkt: haute couture und Pädagogik. So ergänzen wir uns genial und die nächste Woche werden wir per Dienstag gemeinsam starten. Sie wird die Ableitung Jupe weiterziehen. Ich bin so froh.
Heute waren wir an einem ganz anderen Ende von Bamako, in einem Zentrum nahe Des Hügels. Offensichtlich gibt es nur einen Hügel hier. Dort sind wir leider zu spät angekommen, die Schülerinnen waren schon weg, dafür haben wir noch die Angestellten und die Leiterin getroffen. Das war gut so. Wir werden uns nächste Woche nochmals treffen und sie wird mir dann die Etuis übergeben. Habe mir eine Tasche gekauft die als „Bogolan“ verkauft wird. Auf handgewebten Stoffen werden spezielle Mischungen von Erde und … gestrichen, das holen sie am Ufern von Flüssen und somit ist das quasi eine Färbungstechnik. Wenn ich ein Haus damit auf Stoff male, dann wird das Haus nachher speziell dunkelbraun oder sogar fast schwarz und der Stoff bleibt naturfarben. Bei den echten Bogolans gibt’s dann eben spezielle Muster die wohl symbolträchtig sind. Man kann auch alles so dunkelbraun färben und dann wird mit Javel oder anderen scharfen Mitteln die Farbe aufgelöst und somit kann man „Negativmotive“ erzielen.





























