Archiv für Juli 2008

Fotos im Atelier an meinem Hof

Samstag, 26. Juli 2008

Im Atelier sind vor allem mal Kader und Ablaye, ein Lehrmädchen und eine Schwester von Mimi,  und die kleine Maam, die irgendwie zur Familie gehört und doch nicht wirklich. Ihr Wohnsitz ist über die Strasse, doch ist sie täglich Gast bei uns. Es ist herrlich mit ihr zu spielen und sie kann schon bald den schweizerdeutschen Knierereiter: ” Joggeli chasch au riite- ja ja ja …” auswendig. Das klingt echt witzig aus ihrem Mund. Und zählen kann sie auch bis fünf auf schweizerdeutsch natürlich. Sie weiss was Zältli heisst (Bonbon) und super mit dem Daumen nach oben… Eine wahre Freude mit ihr.

Sorry falls ich diese Fotos  schon mal publiziert hab .

Morgen um Neun! – in Shallah

Samstag, 26. Juli 2008

Heute Morgen waren alle pünktlich da. Offensichtlich wurde mein Missfallen des unpünktlich seins sogar auf Französisch verstanden. Am ersten Kurs-Tag nämlich kamen sie nämlich irgendwie gestaffelt. 6 von 15 erwarteten Leuten waren damals da, die nächsten erschienen eine Viertelstunde später und die nächsten eine halbe Stunde später und die letzten zwei Stunden später. Die Zeitangabe wird nicht wirklich ernst genommen. Sie wissen zwar immer wann genau gebetet werden muss, sie kennen die Himmelsrichtung und ich nun auch. (Das ist mit eine tröstliche Sache in Bamako. Wenn man sich verlaufen hat, dann wartet man geschicktesten bis zur Betzeit, alle beten in dieselbe Richtung auf ihren kleinen mitgebrachten Teppichen und dann findet man wieder heim.)

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Flip-Flops und Veston

Samstag, 26. Juli 2008

An „meiner Strasse“ sitzen regelmässig sehr gut gekleidete Männer. So richtig in Kravatte und Veston, also Anzug. Gestern war es das erste Mal, dass ich mich durch ihre Grüsse anlocken liess und sofort wurde ein Stuhl für mich hervorgezaubert, ein kleiner Junge musste ihm mir bringen. Die Männer freuten sich königlich mit mir zu reden und quetschten mich aus. Ob ich gut geschlafen hätte, ob meine Arbeit gut sei und ob es gut gut. Oui, ça va bien. Ich machte ihnen offenbar die grösste Freude, dass ich an ihrem Mittagessen teilnahm und es schmeckte wirklich gut. Zusammen Mittagessen heisst: Man sitzt draussen in einem Kreis, halb auf Trottoir und Strasse zwischen stinkenden Abfalltonnen und Autos und man hat eine einzige Riesenschüssel in der Mitte am Boden. Alle fischen sich mit den rechten Hand Reis und Sauce, drücken den Reis recht lange zu einem Klumpen zusammen bevor dieser dann in den Mund gelangt. Thats it. Keine Löffel, keine Gabeln, keine Teller. Ich erfahre, dass diese Männer zusammen in einer naheliegenden Bank arbeiten und dass sie halt Kleiderzwang hätten. Das Witzigste an der Geschichte ist dann eben schon die Fussbekleidung. Die Füsse stecken in Flip-Flops. Ein amüsantes Bild. Ich wollte ein Foto machen und fragte um Erlaubnis, doch der eine Mann scheute sich. Ich erfuhr dann ziemlich schnell, dass sie ohne Flip-Flops in der Bank arbeiten würden. Mann trägt also auch wirklich Schuhe. Seit dem Regen heute weiss ich, weshalb all die Flip-Flops = Zehenschlarpen aus Plastik sind. Sehr praktisch. Sie trocknen sehr schnell.

Stricknadeln und Häkelnadeln gesucht

Samstag, 26. Juli 2008

Ich sandte Alpha aus, um Stricknadeln zu besorgen. Das bereitete ihm grosse Sorgen. Offenbar fragte er den ganzen Markt ab und irgendwann fand er ein paar uralte sackschwere Nadeln und als Gegenpol eine Häkelnadel, die am liebsten mit Perlgarn arbeiten würde. Das heisst mit so feinem Garn das gebraucht wird um Perlen aufzuziehen. Ich habe drei Schneider, die wollen dringend stricken und häkeln lernen. Sophie und Ellie, wenn ihr das noch lesen könnt, bringt doch bitte Stricknadeln und Häkelnadeln, mindestens drei in Grösse 4mm und drei Knäuel Tissagarn oder sonst ein passendes Material für Strick-und Häkel-Erstlernende. Ich habe mal mit den fetten schweren Nadeln und dickerem Stickgarn begonnen. Oh wenn ihr nur das Bestaunen hättet sehen können. Die haben sich die Augen aus ihren Köpfen geguckt.

Es lebe der Knopflochstich

Samstag, 26. Juli 2008

Heute wurde das Knopfloch „von Hand genäht“ geübt. Die Fotos sind von einer anderen Unterrichtseinheit. Hei ging das lange. Die Schneider konnten sich von ihrem gewohnten Festonstich wohl nicht trennen. Einmal erlickt, so strahlten sie um die Wette und der eine wollte besser sein als der andere. Noch nie habe ich erlebt, dass man sich so an einem einzigen Stich erfreuen kann. Immer wieder wurde er bestaunt. Neben diesem Glückserlebnis musste ich auch einsehen, dass ich einen didaktisch schlechten Aufbau gemacht hatte und die Schneider nicht vorher an einem groben Stoffstück üben liess. Das baute ich dann halt zwischendurch, leider wie erwähnt zu spät, ein. Ich vermute ab morgen werden einige Gewänder am Rand mit Knopflochstichen verziert oder versäubert. Etwas anderes was ich einfach noch nicht in den Griff bekommen habe ist, ihnen zu erklären, dass es für kurze Strecken kurze Fäden braucht und für lange Strecken höchstens eine Armlänge. Doch Armlänge, das kennen sie nicht, sie wissen nur wie lang ein Meter ist und zum Glück ist genau das die Armlänge. Die Fäden werden hier offenbar nur in 2 Sorten unterschieden: Stickfaden, der glänzt und der ist dann meist ein Viscose-Produkt und einen Polyesterfaden, der sehr elastisch und kurzfasrig ist dafür auch sehr schnell auch bricht. Mit den Kohlebügeleisen hier hat der Baumwollfaden wenig Chancen, „die verbrennen schneller“, haben sie mir vermittelt. Ob das stimmt? Man war sich im Klassenverband nicht einig. Tatsache: Der Faden hier ist echt fragwürdig.

Dattel mit Überraschungen

Samstag, 26. Juli 2008

Ich habe mir angewöhnt, meine fast leeren Teller möglichst zu den beiden Domestiken zurückwandern zu lassen. Bewusst achte ich darauf, noch Reste darauf zu lassen. Die Mädchen, die kaum ein Wort mit mir reden können, stellen sich dann gleich um die Ecke und essen meinen Teller leer. Schon zweimal habe ich sie „erwischt“. Wenn jedoch die Enkelinnen Mauwa oder Ouryfitini da sind, dann sind die Reste auf dem Teller vielleicht unanständig, das lasse ich mal offen.

Die Avocados hier, ich sage euch, ein einziger Traum. Und Mangos! Mmmmmh so fein, leider nur nachts möglich zu essen, wegen hundertausend Fliegen, die zu Besuch kommen. Aber nur für Mangos.

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Monalisa und neuer Adapter

Samstag, 26. Juli 2008

Der Adapter des Chips war abgebrochen, zuvor waren alle Bilder zu gross, dann bekam ich von Sandro das Programm Monalisa und jetzt bin ich häppi, da Alpha

für mich die Stadt abgegrast hat und einen neuen Adapter plus Chip natürlich gefunden hat. Zuvor musste ich pro Bild sechs Minuten warten. Für drei Bilder machte das im Schnitt zwanzig Minuten. Dabei sind nur drei Bilder drauf gegangen, die kann ich aber auch wieder nachfotografieren. Bisher habe ich nur Geld für einen Chip, und für die vielen Stunden im Cyber = Internetcafé ausgegeben. Pro Stunde 500 CFA, das sind etwa 1.25 in Franken. Das ist in kanpp ein Tageslohn eines Einwohners hier oder 1,5kg Reis.

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Schöne Teekrüge aus mamoriertem Plastik

Donnerstag, 24. Juli 2008

Ziemlich schnell habe ich begriffen, weshalb so chinesisch aussehende und grosse Teekrüge aus Plastik sein können. Das Wasser darin wird für Hände waschen gebraucht oder Füsse oder für die Versäuberung des Abortes in der Schule. Den habe ich einmal gesehen und bisher nicht mehr benutzt… Ich trinke aus diesem Grunde nicht so viel… Ich trinke möglichst erst nach der Schule oder ich gehe schnell heim. Das lohnt sich. Obwohl, ich habe schon viel schrecklichere Waterclosetts gesehen, vor allem eben in Indien. Ich habe im Harem eine voll europäische Toilette. Wie es allgemein hier in Bamako so ist, das habe ich noch nicht herausgefunden.

Jedenfalls wird die Schule von einem Gardien, der gar kein einziges Wort französisch versteht, bewacht. So wie es aussieht, wohnt er dort. Sein Hab und Gut habe ich unter einem Tisch gesehen. Manchmal geht er zu seiner Familie, heisst es, aber niemand weiss es genau. Ein junger, sehr junger eigen-artiger Fremdling. Praktisch niemand kennt seine Sprache. Du kannst zu jeder Zeit an der Schule anklopfen und er ist da. Seine Matratze rollt er immer ein. Wenn du ihn doch mal in der naheliegenden “Kneipe” suchen musst und es ist dunkel und der Hintergrund ist so dunkel wie die Nacht und die Person ist so stark pigmentiert wie die Nacht und du kannst die Person nicht gleich erkennen… ihn kann man riechen… Irgendwann werde ich mal ein Foto von ihm machen.

Und jeden Tag, wenn wir gegangen sind, wischt er mit diesen unendlich kurzen Wischern die Schule. Es ist schier unglaublich, was alles auf den Boden geschmissen wird. Knochen vom Essen, Bananenschalen, Servietten…

Gestern hat es wieder mal geregnet, aber wie, innert kürzester Zeit wischte uns der Wind die Papiere von den Tischen. Glasfenster gibt es keine hier.

Gesegnet wir – die das kleine Einmaleins beherrschen

Mittwoch, 23. Juli 2008

Rechnen, oh du liebe Katastrophe wenn es um Masse geht, um teilen in zwei und drei. Ein Drittel von 21, darauf finden nur zwei spontan eine Antwort. Die andern rätseln um die Wette. Das heisst also: Ich werde ab nächster Woche wohl noch zur Mathelehrerin mutieren und werde wohl versuchen, das kleine Einmaleins zu aktivieren. Wie? Ich habe noch keine Ahnung. Vielleicht kann mir jemand einen Link angeben. Am besten auf französisch und gerne dazu eine Übersetzung. Was für ein Abenteuer. Vor vier Wochen wollte ich morgens nicht mehr aufstehen und nun ist alles ganz anders. Lieber Herr Hans Martin Aeppli aus der KME, sie hätten hier viel Freude am Lehren. Nun muss ich das wohl tun.

Obiger Text ist nun schon etwas älter…Irgendwie werde ich einfach geführt. Die Rechenstunde heute war super. Zwei von den Schneidern zeigte in afrikanischem System die Division. Kurz davor haben wir nochmals die Multiplikationen repetiert, jedoch nur die 2er, 3er, 4er und 6er-Reihe. Somit hatten alle eine eigene schriftliche Unterstützung und wir konnten wunderbar dividieren. Sie haben es ganz einfach gecheckt. Vielleicht.

Mein Fotochip hat heute Probleme, er will nicht ins Laptop einklicken. Also ihr seht, mir wird nicht langweilig. Und mit der Unterstützung der Geisterhand namens Sandro und dem Programm teamviewer klappt die Sache gut. Sogar Ramon konnte mich aus der Ferne unterstützen. Ich ernte, ich ernte. Wie schön.

Vielen Dank.

Meine Eiseninfusion kurz vor dem Abflug tut ihr Nötiges. Es gut ist morgen Freitag. Dann habe ich ein Wochenende frei. Bin wahrlich müde heute.

Und ich habe es geschafft, und wir repetieren jeden Tag etwa 5 Minuten das kleine Einmaleins und die Division. Mit jedem Tag gehts besser.

Der Nasenbohrer

Mittwoch, 23. Juli 2008

Langsam langsam gewöhne ich mich an die Usanzen hier. Die Strasse ist so langsam auch „meine“ Strasse und ich gehe sie nie, ohne mindestens acht Mal “bonjour ça va? ça va bien!” gesagt zu haben. Man spricht nun viel mehr miteinander und ich sehe so langsam, dass auch ich mehr Zeit für diese fünfzig Meter Weg einberechnen muss. Oury hat mir die wichtigsten Begrüssungsworte beigebracht und die Leute freuen sich göttlich, wenn ich ein Wort auf Bambara sage. Die Frau direkt neben der Schule hat jeden Tag irgendwie ein anderes Menü in Öl bereit. Einmal Fisch, das andere Mal Pommes oder Spiessli. Langsam lerne ich auch meine Schüler mit Namen und ihren Sitten oder Unsitten kennen. Einer zum Beispiel, ein ganz lieber väterlicher Typ, der versteht MEIN französisch wohl gar nicht, der kommt immer und immer wieder. Er schaut und nickt und alle dreissig Sekunden: mhmmm, mhmmm, mhmmm, mhmmm, was wohl soviel wie ein langsames ahaaa bedeuten könnte. Er ist aber auch der, der mit mir redet und gleichzeitig seinen Zeigefinger zum Nasenbohren gebraucht. Und wie er da drin grübelt…

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